Medulla
Das Motiv dieser Arbeit beginnt in einer Kindheitserinnerung: das vorsichtige Greifen nach einer Kaktusfeige an den heißen Tagen des Südens. Die Gewissheit, dass man ihre stachelige Haut erst überwinden muss, bevor sie ihr leuchtendes, saftiges Inneres preisgibt.
Es ist das Ritual des Aufschneidens – dieser eine Moment, in dem die raue Hülle nachgibt und die Farbintensität des Fruchtfleischs zum Vorschein kommt –, das dieses Werk antreibt.
In den getufteten Schichten begegnen sich Abwehr und Hingabe: Die wilden, krausen Ränder tragen das Borstige und Abweisende der Äußeren Haut in sich. Doch wer den Blick hineinwendet, trifft auf ein weiches, geschorenes Gewebe aus tiefem Magenta, Pistazie und Orange. Samen, Struktur und Farbe fügen sich im Textil zu einer Form zusammen, die man greifen und spüren kann.
Aus geretteten Wollresten Knoten für Knoten aufgebaut, wird das Werk zu einem haptischen Gedächtnisstück. Es bewahrt nicht nur das Bild der Frucht, sondern das Gefühl in den Händen: die Verbindung zu einem Ort, einem Geschmack und einer Zeit, die in der Wolle weiterlebt.
Jahr2026TechnikTuftingMaterial95% recycelte Wolle, 5% neuseeländische WolleMasse1.22m x 1.06m












