Studio
Material, Struktur und sinnliche Wahrnehmung
Studio
Die Grundlage meines Studios entstand während meines Textildesign-Studiums mit Wundernetz, meinem ersten getufteten Teppich. Daraus entwickelte sich eine fortlaufende Auseinandersetzung mit Material, Oberfläche und räumlicher Präsenz.
In den folgenden Jahren entstanden weitere Arbeiten und Experimente mit recycelter Wolle, Reliefs und kontrastierenden Garnqualitäten.
Die Präsentation zweier Arbeiten beim SaloneSatellite in Mailand 2024 markierte einen entscheidenden Moment und bestärkte mich darin, meine Praxis als eigenständiges Studio weiterzuführen.
Nach meinem Abschluss widmete ich mich dem Aufbau meiner Selbstständigkeit zwischen Konzeptentwicklung, Gründerprogrammen und der Entwicklung einer eigenen Arbeitsstruktur. Mit Unterstützung eines Gründerpreises konnte ich im Jahr 2026 schließlich mein Atelier in Leipzig eröffnen.
Heute bewegt sich meine Arbeit zwischen zwei Räumen: Werkstatt und Büro – zwischen handwerklicher Umsetzung und dem Aufbau des Studios.
Material, Struktur und sinnliche Wahrnehmung
Tufting dient mir als Werkzeug zur Entwicklung komplexer, taktiler Oberflächen.
Ich kombiniere feine Effektgarne, die mehrfädig eingesetzt werden, mit dickeren Strickgarnen aus lokalen Manufakturen sowie griffiger neuseeländischer Wolle.
Durch diese Kontraste entstehen Spannungen innerhalb der Fläche – zwischen Weichheit, Dichte und Relief.
Florhöhe, Verdichtung und Garnführung werden gezielt eingesetzt, um eine ausgeprägte räumliche Präsenz zu erzeugen.
Die Arbeiten reagieren auf Licht und Perspektive und erschließen sich über Nähe.
Haptik ist dabei ein zentraler Bestandteil. Unterschiedliche Oberflächen und Widerstände laden dazu ein, nicht nur visuell, sondern körperlich wahrzunehmen.
Jedes Stück wird einzeln umgesetzt.

Inspiration
Die formalen Ausgangspunkte entstehen aus Beobachtungen von Natur und Landschaft.
Strukturen, Wachstumsformen und Übergänge werden nicht direkt abgebildet, sondern in textile Systeme übersetzt.
Serien wie die Apulien-Arbeiten greifen Elemente südlicher Flora und Landschaft auf und transformieren sie in abstrahierte Oberflächen.

Material und Verantwortung
Die Entscheidung für natürliche Materialien ist zentral für meine Praxis.
Ich arbeite bevorzugt mit Wolle und verlagere meinen Fokus zunehmend auf industrielle Überschüsse und wiedergewonnene Materialien.
Diese Wahl ist auch eine Reaktion auf die Bedingungen der Textilproduktion. Synthetische Fasern sind weit verbreitet, jedoch kaum abbaubar und langfristig belastend für Ökosysteme.
Natürliche Materialien hingegen stehen in direkter Beziehung zu ihrem Ursprung und verändern sich über Zeit.
Meine Arbeit versteht sich als Annäherung an diese Zusammenhänge – zwischen Beobachtung, Material und der Fragilität natürlicher Systeme.



